Die Geschichte

Die Entwicklung der Abwasserreinigung


Jahrhunderte hindurch ließ man das Abwasser im Boden versickern oder leitete es in fließende Gewässer ab. Die Schmutzstoffe drangen in den Boden ein und verseuchten so das Trinkwasser, das aus Brunnen entnommen wurde. Krankheiten und Epidemien waren die Folge. Erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gelangte man zu der Erkenntnis, dass zwischen versickertem Abwasser und Städtehygiene ein enger Zusammenhang besteht. Der systematische Ausbau von Entwässerungsnetzen begann.





Spülklosett und „Ulmer Gruben“ in Ulm


In Ulm wurde bereits 1836 mit dem Bau einzelner Kanäle begonnen, die im Bereich der Altstadt in die Blau, den Stadtgraben und in die Donau mündeten. Die Einrichtung der zentralen Wasserversorgung im Jahre 1873 brachte es mit sich, dass in den Ulmer Haushalten das fortschrittliche „Spülklosett“ Einzug hielt. Dies wiederum machte den Bau der dafür geeigneten Schwemmkanalisation nötig. Als zuständige Behörde erteilte die Königlich Württembergische Regierung im Jahr 1910 die Auflage, dass alsbald eine Kläranlage zu bauen sei und bis zu deren Erstellung ersatzweise eine Vorklärung in Hauskläranlagen erfolgen müsse. Nun entstanden die sogenannten „Ulmer Gruben“, über die das gesamte häusliche Schmutzwasser geleitet werden musste.



Kanalisation in Neu-Ulm


Die junge Stadt Neu-Ulm war in der glücklichen Lage, die neuesten Erkenntnisse nutzen zu können. Bereits 1900 erhielt sie die zentrale Wasserversorgung, und seit 1912 waren Oststadt und Stadtmitte kanalisiert. Die Königlich-Bayerische Aufsichtsbehörde verlangte, die Abwässer aus Neu-Ulm vor der Einleitung in die Donau zumindest mechanisch zu klären. Im Jahr 1912 wurde die Stadt nachdrücklich ermahnt, die Errichtung einer Kläranlage ins Auge zu fassen. Durch die beiden Weltkriege dauerte es aber noch Jahrzehnte, bis eine gemeinsame Kläranlage der Städte Ulm und Neu-Ulm Wirklichkeit wurde.



Seit 1957 gemeinsame Kläranlage


Erst beim Bau des Donaukraftwerks „Böfinger Halde“ ergaben sich klare Vorstellungen zum Bau der Kläranlage. Die genaue Lage des Klärwerks konnte nur unterhalb der Wehranlage bzw. der aufgestauten Donau sein, wo die Ableitung der Abwässer mit Hilfe des neuen Abwasserkanals mit natürlichem Gefälle möglich war. So kam es zu dem, für die Entwicklung der Städte so günstigen Standort im „Steinhäule“. 1957 ging – nach zweijähriger Bauzeit – die gemeinsame mechanische Sammelkläranlage in Betrieb. Aus Gründen des Gewässerschutzes wurde die mechanische Kläranlage im Jahre 1973 durch den biologischen Klärwerksteil umfassend erweitert. Die Reinigungsleistung konnte dadurch von 25% auf rund 90% gesteigert werden.



Behandlung von Klärschlamm


Zur umweltfreundlichen Beseitigung der Rückstände wurde gleichzeitig mit der Erstellung des biologischen Klärwerkteils im Jahre 1973 eine Anlage zur Entwässerung und Verbrennung von Klärschlamm installiert. Die ständige Weiterentwicklung der Schlammbehandlung führte zum Ausbau der Klärschlammverbrennung mit zwei modernen, mit thermischer Trocknung ausgerüsteten Ofenlinien, die man in den Jahren 1995/1996 mit weiteren Rauchgasreinigungen ausstattete.



Gründung des Zweckverbands


Durch die Stilllegung von Kleinkläranlagen und durch den Anschluss von weiteren Stadtteilen sowie dem Anschluss der Illertal-, Blautal- und Weihungstalgemeinden wurde das Einzugsgebiet des Klärwerks ständig größer. Dies führte im Jahr 1984 zur Gründung des Zweckverbands „Klärwerk Steinhäule“, der seither Träger der Anlage ist und dem heute 11 Städte und Gemeinden angehören.